Anstatt eines Vorwortes

Erstmals habe ich von László Lakner gehört, als er noch ein Gymnasiast war. Meine Schwester, die in den 1950er Jahren in seiner Schule Biologie lehrte, erzählte mir von einem lieben und wilden Jungen, den sie in Schutz genommen hat in einem Fall, in dem ihm eine Disziplinarstrafe drohte: Er hatte im Klassenzimmer während des Unterrichts eine Schulkameradin lange geküsst ...

Der Junge schaffte es auch später, als angehender Künstler, gegen den Wind zu schreiten. Die Entschlossenheit, sich nach eigen gesetzten Maßstäben zu richten, hat für ihn – insbesondere in den ersten Lebensjahrzehnten – auch arge Nachteile bedeutet.

Schon nach unserer ersten und einzigen Begegnung im Budapest der 1970er Jahre war mir klar, dass dieser hoch anspruchsvolle, neugierige Geist nicht bei den Fensteröffnungen bleibt, er will aus dem Haus, auch wenn er damit sein Schicksal herausfordert, will sehen, was hinter Berg und Tal, hinter den Grenzen ist.

Er war radikal: Für die Verteidigung seiner Selbstständigkeit zog er schwerwiegende Konsequenzen. Der Preis der Freiheit war Einsamkeit, bis zum Verlust einer angeborenen, bequemen Identität. Lakner gab dennoch nicht nach. Auch in den Jahren der Emigration blieb er Außenseiter, mit ehrlichen Freundschaften, aber keiner neuen Gemeinde eingebunden, keiner neuen Identität verpflichtet. Aus dem »ländlichen« Budapest überpflanzt, wurde er zwar »Europäer«, aber immer einer, der sich gegen den »Mainstream« hält und oft auf seine Heimstätte zurückblickt.

Als ich im Februar 1977 als Stipendiat des DAAD nach Berlin kam und wegen Flugverspätung erst spät am Abend dort gelandet war und das vorgesehene Gastappartement nicht beziehen konnte, war es selbstverständlich, László anzurufen und in seinem Käuzchensteig-Atelier am Wochenende zu übernachten. Auch wenn wir bis dann einander nur einmal getroffen und vom Hören-Sehen voneinander wussten, wurden wir sofort Freunde. Auch später blieb mir dieses Atelier in Berlin ein Stützpunkt, mit den vielen sich im Entstehen befindlichen Bildern, mit den verstreuten Büchern und geistaufrüttelnden Gesprächen bei dem Maler, für den Wohn- und Arbeitsstätte immer eins waren. Selbst Laie in der Kunst hat mich schon damals beeindruckt, wie Lakner sich seine »Heroen und Heiligen« auf die Sprache der Kunst zu übersetzen, sie sich auf eine subtile Art anzueignen verstanden hat. Wie er in den Schriften eines Hölderlins, Bartóks oder Paul Celans, ihren ausgewählten Textfragmenten, Faksimiles und Signaturen, oft in nur einem Durchstreichen, das Wesen des Menschen heraufbeschworen hatte.

Das Einzigartige in der Vielfalt, die durch den künstlerischen Eingriff erlangte Umdeutung der Unikate charakterisieren die Buchwerke wie auch die Bilder Lakners. Eine Übersicht dieser ermöglicht nun die vorliegende Edition.

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Mit Texten von György Konrád, Matthias Flügge, Thomas Hirsch